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Freitag, 8. Oktober 2010

Qi Gong

Mein Ex – Mann und ich haben 5 Jahre im Ausland verbracht und haben uns in Schleswig – Holstein ein Haus gekauft. Das war 1996…..In dem Haus gab es viel Platz , so das
ich einen großen, leeren Raum zur Verfügung hatte, um mit Menschen zu arbeiten…..!
Ich hatte meine 1.Qigongausbildung 1997 – 1999 gemacht und 18 bewegte Qigong Figuren gelernt. Am Ende diesG arbeiten, um16 Jahre Einzahlung geleistet zu haben - um wiederum ein Anrecht auf EV Rente zu „verdienen“. In den 3 Jahren, machte ich meine zweite Qigong Ausbildung.

Damals ahnte ich, wusste es aber noch nicht, das Qigong jeden Bereich meines Lebens berühren würde:

Es trainierte meinen Körper, öffnete meinen Geist und mein Herz. Es half mir, diese für mich ungewöhnlich schwere Zeit, zu „überleben“. In der zweiten, zweijährigen Qigong Ausbildung bei Meister Li Zhi Chang, traf ich auf viele Teilnehmer, die in ähnlicher Situation waren. Viele chronisch Kranke, einige an Krebs erkrankte Menschen. Wir alle suchten einen Weg, im Umgang mit unserer Krankheit. Ich hatte in meinem Beruf immer mit schwer erkrankten Menschen zu tun. Seither war ich auf der Suche nach „Fortbildungen“, die den ganzen Menschen wahrnehmen und den ganzen Menschen meinen….. nicht nur einzelne Teile. Das sogenannte „Stille Qigong“ entsprach genau meinen Neigungen.

Qi Gong, was heißt das, was ist das? Qi ist Lebensenergie, die in allem Lebenden ist. Ist kein Leben mehr da - ist kein Qi mehr vorhanden, ist ein Wesen tot. Gong heißt üben, lernen, umgehen mit Qi - heißt immer wieder probieren, praktizieren oder auch „Training“.

Weg vom Alltag verlangt das üben, einen Teil des Tages nur uns selber widmen. Beim Qigong geht es auch immer darum, mit sich selber in einem guten Dialog zu sein. Lernen freundlich mit sich sein und somit auch zu und mit unserer Umgebung.

Wenn wir anfangen Qi Gong zu üben, besteht das größte Problem nicht darin, dass wir uns nicht an die Bewegungen erinnern. Das größte Problem ist, im Laufe des Tages auch nur 20 Minuten Zeit zu finden, um alleine zu üben. Dafür gibt es viele Gründe. Einer besteht darin, dass man uns beigebracht hat, alles und jeden wichtiger zu nehmen als uns selber.
Wir haben das Gefühl, etwas für die Familie, die Firma oder Betrieb tun zu müssen. Wenn wir
uns Zeit für uns nehmen, bekommen wir sofort Schuldgefühle. Oder wir denken, Zeit für uns sei vergeudete Zeit. Wie auch immer, wir sind gefangen in dem Denken, das allem und jedem außer uns, den Vorrang gibt.
Nein, Zeit nur mit uns ist die Wichtigste überhaupt. Denn nur wenn es uns gut geht, kann es Menschen um uns herum auch gut gehen.

Es ist mir ein Anliegen, einige Grundsätze der inneren Qigong – Haltung zu vermitteln. Wenn es uns gelingt, sie anzunehmen und in unseren Alltag zu praktizieren, haben wir viel für unsere Heilung getan. Die vielleicht wichtigsten Grundsätze sind die Anwesenheit bei uns selber und das Innere Lächeln.
Die Anwesenheit bei uns selbst stärkt die Energie, denn da wo unsere Sinne sind, da ist das Qi. Kranke sind oft auf der Flucht vor sich selbst und jagen einem Wunschbild nach, das auf diese Weise nicht zu erreichen ist. Die Rückkehr zu sich selbst ist der erste Schritt auf dem Wege zur Gesundheit. Hier sammeln wir Kraft zu einem entschlossenen Aufbruch. Das Innere Lächeln hilft, die schlechten Energien abzuleiten und die guten zu sammeln.
Wenn wir bei uns selbst sind, erfahren wir uns als Ganzheit. Ganzheit heilt.
Das Innere Lächeln kommt aus der Tiefe des Herzens und ist Ausdruck der Liebe. Ein jedes Herz hat die Fähigkeit zu lächeln. Es hängt von uns ab, ob wir es pflegen, oder unterdrücken. Wenn wir ihm Achtung schenken, kann sich das Lächeln und mit ihm die innere Wärme in uns ausbreiten. Der ganze Körper fühlt sich bejaht und geliebt, jede Zelle öffnet sich und strahlt. Dieses Strahlen ist positive Energie. Sie hat heilende Wirkung, die auch von anderen Menschen wahrgenommen wird. Man begegnet gerne Menschen, die „Ausstrahlung“ haben und Wärme um sich verbreitet.

Achtsamkeit ist ein Wort was sehr oft in Verbindung mit Qi Gong oder Tai Chi genannt wird und zu finden ist. Es ist sozusagen ein Herzwort der Praxis.
Achtsamkeit heißt, dem Augenblick bewusst Aufmerksamkeit schenken. Achtsamkeit zu praktizieren heißt, unseren Geist mit einer gewissen Unberührtheit zu beobachten, die nicht mit kalter Distanz gleichzusetzen ist, sondern mit der Bereitschaft, alles hochkommen und präsent sein zu lassen, ohne sich dabei in unseren Gedanken zu verwickeln. Unser Geist führt ständig innere Dialoge und ist so damit beschäftigt zu planen, zu erinnern, zu analysieren, Vorwürfe zu machen oder Erklärungen zu suchen, das wir nur selten in einen ruhigen und zugleich präsenten inneren Zustand gelangen. Achtsamkeit heißt, in unserem Leben ganz wach zu sein, heißt, jeden Moment in all seiner Lebendigkeit, seiner Wirklichkeit, seinen Freuden und Sorgen so zu erfahren, wie er ist. Wenn wir im Augenblick ruhen, sind wir zugleich in unserem Körper zu Hause und bekämpfen uns nicht, noch treiben wir uns an oder lehnen uns ab. Wir lernen, mit uns selbst und anderen auf heilsame, ausgewogene und vertrauensvolle Art umzugehen. Wenn wir den Pfad der Achtsamkeit gehen, mobilisieren wir unsere eigenen inneren Quellen, um unser Leben zu bewältigen, um zu heilen und zu wachsen.

Viele Menschen beginnen Tai Chi oder Qi Gong um möglichst schnell einen Erfolg zu verspüren. Sie schätzen die Schönheit der Formen und denken gleichzeitig, das es ihnen nie gelingen wird, so etwas Schönes zu vollbringen.
Wenn sie mit Qi Gong oder etwas anderem anfangen, das ihr Herz zum Singen bringt und den Wunsch in Ihnen weckt, es zu lernen, dann betrachten sie es als Gelegenheit, sich selbst ein Geschenk zu machen und sich Gutes tun. Manchmal ist es schwer uns mit Freude etwas zu schenken, weil wir uns oft mit anderen Menschen messen, uns mit ihnen vergleichen und, wenn wir meinen schlechter abzuschneiden, verurteilen. Mit der Zeit der Übungspraxis erkennt man, das man Zeit braucht um Muße – Langsamkeit und Bedächtigkeit - zu entwickeln.

Die Fähigkeit, etwas mit ganzem Herzen zu tun, ist ein kostbares Geschenk, das dir aber im Grunde niemand geben kann. Du musst den Weg des Herzens selber finden und ihn unbeirrt gehen. Dabei wirst Du immer wieder mit Deinen Kopfschmerzen konfrontiert oder machst eine Bauchlandung. Aber wenn Du diesem Weg unbeirrt folgst, sind diese Unannehmlichkeiten kein Hindernis. Sie stellen eine gewisse Lebensstruktur und –energie dar. Und nicht nur das, wenn Du manchmal anfängst abzuheben und alles sich wunderbar anfühlt und Du denkst:“ Jetzt hab ich´ s, das ist der Weg des Herzens“, machst Du plötzlich wieder eine Bauchlandung. Alle schauen Dich an. Du fragst Dich: „Das soll der Weg des Herzens sein?“ Das fühlt sich eher an, wie ein Weg, auf dem ich mit der Schnauze im Dreck liege. Aber da Du Dich mit vollem Herzen auf die Reise eingelassen hast, findest Du keine Ruhe. Es ist, als lache Dich jemand aus, und Du fühlst Dich herausgefordert, herauszufinden, was Du tun kannst, obwohl Du es eigentlich nicht weißt.
Es lehrt uns Demut.
Es öffnet dein Herz.

Ich würde vielen Menschen wünschen diesen Weg zu gehen. Es ist ein bewusstes gehen, ein vorsichtiges, tastendes Schreiten, bei dem es nicht auf Geschwindigkeit ankommt. Frei nach dem Motto: Der Weg ist das Ziel……
Nachdem ich seid 14 Jahren auf dem Qigongweg bin, kann ich sagen, das mein Leben keine Wüste mehr ist, sondern ein Garten, den ich selber hege und pflege.


Karin Wehling

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